Sollte die Eizellenspende in Deutschland zugelassen werden?

Vor 30 Jahren, als das Embryonenschutzgesetz verabschiedet wurde, spielten vor allem zwei Argumente gegen die Eizellspende eine Rolle. Zum einen war das Verfahren zur Eizellgewinnung mit vielen Nebenwirkungen und Risiken verbunden. Zum anderen wurde befürchtet, dass die Existenz zweier Mütter – der Eizellspenderin und der Mutter, die das Kind zur Welt bringt und bei der es aufwächst – zu psychischen Problemen des Kindes hinsichtlich seiner Identität führen könnte. 

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Verfahren zur Gewinnung von Eizellen weiter verbessert. Zwar sind weiterhin hormonelle Stimulationen und eine Entnahme der Eizellen unter Narkose notwendig, aber die Risiken für eine hormonelle Überstimulation konnten deutlich verringert werden. Ernste Nebenwirkungen treten selten auf und sind nicht von Dauer. Damit verliert ein Gegenargument an Gewicht. 

Auch das Argument möglicher Identitätsprobleme kann durch Erfahrungen in Ländern, in denen die Eizellspende seit vielen Jahren erlaubt ist, entkräftet werden. Studien zeigen, dass Kinder, die mit Hilfe von Samen- oder Eizellspende gezeugt wurden, keine Entwicklungsauffälligkeiten aufweisen und dass sie selbst diese Form der Familiengründung in der Regel akzeptabel finden. Identitätsprobleme können sich allerdings ergeben, wenn Kinder nicht angemessen aufgeklärt wurden und überraschend und ungeplant von der Eizellspende erfahren. Auch lassen sich die ursprünglich geäußerten Vorbehalte mit den heutigen Vorstellungen gleichberechtigter Elternschaft nicht mehr gut vereinbaren: Warum sollte die sogenannte gespaltene Mutterschaft für ein Kind problematisch sein, die gespaltene Vaterschaft bei der Samenspende hingegen nicht? Auch Patchwork-Familien gehören heute zur gesellschaftlichen Realität. (Sehen Sie hier ein Video, in dem die Medizinethikerin Claudia Wiesemann und die Familientherapeutin Petra Thorn erklären, warum es ihrer Ansicht nach Zeit ist, die Eizellspende in Deutschland zu legalisieren.)

Bei diesem Thema sind auch das Wohl der Eizellspenderinnen sowie die Interessen der Kinder zu berücksichtigen. Eine Ausbeutung der Spenderinnen muss verhindert werden. Es darf kein kommerzieller Handel mit Eizellen entstehen. Zudem benötigen Frauen, die Eizellen spenden, eine umfassende Aufklärung und Beratung sowie umfassenden gesundheitlichen Schutz. Länder wie Großbritannien oder Finnland bieten Beispiele dafür, wie der Schutz der Eizellspenderinnen angemessen umgesetzt werden kann. In einer finnischen Studie gaben 95% der befragten Eizellspenderinnen an, sie würden dieses Verfahren auch anderen Frauen empfehlen. Schließlich gilt es, das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner biologischen Herkunft sicherzustellen. (Sehen Sie hier ein Video mit der Familientherapeutin Petra Thorn zur Rolle psychosozialer Beratung.)
 

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Häufig gestellte Fragen und Antworten

Hat eine Eizellspende negative Auswirkung für das Kind?

Vor 30 Jahren, als das Embryonenschutzgesetz verabschiedet wurde, befürchtete man, dass Kinder, die “zwei Mütter” haben – also eine Mutter, von der die Eizelle stammt, und eine, die das Kind austrägt und aufzieht – psychische Probleme hinsichtlich ihrer Identität entwickeln würden.

Studien aus Ländern, in denen Eizellspenden bereits seit vielen Jahren durchgeführt werden, zeigen demgegenüber, dass Kinder mit zwei Müttern keine physischen, psychischen und sozialen Entwicklungsauffälligkeiten aufweisen und dass sie selbst diese Form der Familiengründung in der Regel akzeptabel finden. Identitätsprobleme können sich dann ergeben, wenn Kinder nicht angemessen über ihre biologische Herkunft aufgeklärt wurden. 

Auch lassen sich die ursprünglich geäußerten Vorbehalte mit den heutigen Vorstellungen gleichberechtigter Elternschaft nicht mehr gut zusammenbringen: Warum sollte eine sogenannte gespaltene Mutterschaft für ein Kind problematisch sein, eine “gespaltene Vaterschaft” wie bei der Samenspende hingegen nicht?

Schließlich gibt es eine Reihe von – gesellschaftlich breit akzeptierten – Familienkonstellationen, in denen die biologischen und die sozialen Eltern nicht dieselben sind, beispielsweise im Rahmen von Adoptionen oder Patchwork-Familien.

Wie kann vermieden werden, dass bei einer Eizellspende soziale Notlagen von Frauen ausgenutzt werden?

Um sicherzustellen, dass Frauen sich nicht aufgrund einer sozialen Notlage zur Eizellspende entschließen, muss ein kommerzieller Handel mit Eizellen verboten sein. Die Eizellspende sollte grundsätzlich unentgeltlich, also aus altruistischen Motiven erfolgen. Lediglich eine Aufwandsentschädigung, die beispielsweise die Fahrtkosten zur Behandlung und die aufgewendete Zeit abdeckt, könnte ermöglicht werden. Ähnliche Regelungen existieren z. B. bereits bei Blutspenden, Samenspenden und Lebendorganspenden.

Wie läuft die Entnahme von Eizellen für eine Spende ab?

Ebenso wie bei einer fortpflanzungsmedizinischen Behandlung werden der Eizellspenderin zunächst Hormone verabreicht, die die Heranreifung von Eizellen in den Eierstöcken anregen sollen. Die Entnahme der Eizellen erfolgt unter Vollnarkose. In der Regel findet die Entnahme ambulant statt, d. h. zumeist können die Spenderinnen noch am selben Tag nach Hause zurückkehren.

Welche Risiken gibt es für die Spenderinnen?

Eizellspenderinnen werden zunächst mit Hormonen behandelt, um eine erhöhte Produktion von Eizellen anzuregen. Dies kann zu einem ovariellen Überstimulationssyndrom führen. Dabei kommt es zu deutlich vergrößerten Eierstöcken und in seltenen Fällen einer Wasseransammlung im Bauch. Bei der Entnahme der Eizellen besteht zudem das Risiko von Infektionen und Unverträglichkeiten der Anästhesie.

In Nachuntersuchungen zu Eizellspenden lag das Risiko für ein Überstimulationssyndrom bei 0,5 % und für schwere Komplikationen bei der Eizellentnahme bei 0,4 %. Die Stimulation hat nach bisherigem Wissenstand keine negativen gesundheitlichen Spätfolgen. Bislang gibt es auch keine Hinweise auf negative Spätfolgen für Eizellspenderinnen mit Blick auf die Erfüllung ihres eigenen Kinderwunsches.