Sollte künstliche Befruchtung bei ungewollter Kinderlosigkeit ganz von den Krankenkassen bezahlt werden?

Die Kosten für eine künstliche Befruchtung liegen oft im hohen vierstelligen Bereich. In der Regel wird aber von den Krankenkassen nur die Hälfte der Kosten übernommen. Es gibt weitere Fördermöglichkeiten, aber nicht in allen Bundesländern. Der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin ist also finanziell schlechter gestellten Menschen erschwert. (Sehen Sie hier ein Video mit dem Fortpflanzungsmediziner Heribert Kentenich zur Finanzierung der Fortpflanzungsmedizin in Deutschland.)

Die Teilfinanzierung erstreckt sich zumeist nur auf drei Behandlungszyklen, unabhängig von der individuellen medizinischen Situation und den jeweiligen Erfolgsaussichten. Sie ist oft an feste Altersgrenzen gebunden. Zudem erhalten in der gesetzlichen Krankenversicherung nur verheiratete Paare diese finanzielle Unterstützung. Dabei werden viele Kinder heute in nichtehelichen Partnerschaften geboren. 

Informationen über die Frage "Was wird finanziert?"

Auch wegen der von den Paaren zu tragenden hohen Kosten werden in Deutschland häufig mehrere Embryonen pro Behandlungszyklus übertragen, um die Chancen für die Geburt eines Kindes zu verbessern. Damit erhöht sich allerdings wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine risikobehaftete Mehrlingsschwangerschaft (siehe auch "In welchem Rahmen ist eine Auswahl von Embryonen zur Vermeidung von riskanten Mehrlingsschwangerschaften vertretbar? ").

Kritiker haben Vorbehalte gegen eine vollständige Finanzierung durch die Krankenkassen. Sie befürchten zum Beispiel Fehlanreize, die zu häufigeren reproduktionsmedizinischen Behandlungen führen könnten, ohne ausreichende Abwägung von Chancen und Risiken. Sie hinterfragen außerdem, ob eine Übernahme der Gesamtkosten durch die Solidargemeinschaft bei einer Kinderwunschbehandlung angemessen sei. 

 

Was ist Ihre Meinung?

Häufig gestellte Fragen und Antworten

Was kostet eine künstliche Befruchtung in Deutschland?

Die Kosten einer Behandlung sind von der individuellen Situation der Patienten abhängig. Sie sind unter anderem abhängig davon, welche Therapien notwendig sind, wie viele Behandlungszyklen durchgeführt werden und ob Eizellen oder Embryonen kryokonserviert werden. Die Kosten für einen Behandlungszyklus liegen in der Regel im mittleren vierstelligen Bereich.